Spass und Lebensfreude durch Elektrifizierung http://stromsau.blogsport.de Mit Dampfmaschine, Flugzeug und Glühbirne in eine bessere Zukunft Mon, 13 Jul 2015 10:44:12 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Mißfelder tot – Ein Politiker wie gemacht für seine Zeit http://stromsau.blogsport.de/2015/07/13/missfelder-tot-ein-politiker-wie-gemacht-fuer-seine-zeit/ http://stromsau.blogsport.de/2015/07/13/missfelder-tot-ein-politiker-wie-gemacht-fuer-seine-zeit/#comments Mon, 13 Jul 2015 10:44:12 +0000 Stromsau Allgemein http://stromsau.blogsport.de/2015/07/13/missfelder-tot-ein-politiker-wie-gemacht-fuer-seine-zeit/ Mit 35 Jahren ist Philipp Mißfelder einer gesundheitlichen Komplikation erlegen. Das kam unerwartet, nicht zuletzt für ihn selbst, denn das sozialverträgliche Frühableben war stets nur für die anderen eingeplant.

Wie war das damals noch?

Es war im Jahr 2003 – Die SPD arbeitete unter Schmerzen und Getöse an der Hartz-Reform und ihren vielen unerwünschten Auswirkungen vor allem auf die SPD-Wahlergebnisse, die Medien von FAZ über Spiegel bis taz gefielen sich in neoliberalen Besserwisserposen, die den Abbau bei Rente, Arbeitslosenversicherung und Krankenversicherung als ungenügend brandmarkten. Der rechtskonservative „BürgerKonvent“ gründete sich in eben jenem Jahr, die patriotische Verdummungskampagne „Du bist Deutschland“ sollte einige Jahre später folgen. Die neoliberale Astroturfing-Organisation „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ war schon drei Jahre am Werk. Der aufstrebende Jungpolitiker suchte sich zu profilieren und fand gegen die Versorgung älterer Menschen mit notwendigen Implantaten wie etwa künstlichen Hüftgelenken den einleuchtenden Grund, früher habe es ja auch nur Krücken gegeben. Früher, das hätte er wissen können, rafften Pest und Syphilis auch nicht immer nur den Armen. Im Gedonner der damaligen Zeit blieb es den Alten vorbehalten, Mißfelders Altensparprogramm menschlich fragwürdig zu finden. Nachdem sich dann doch einige Medien mehr am Sound als an der Aussage störten, hagelte es einige halbherzige Kritik, was aber Mißfelders Karriere in Junger Union und CDU nicht weiter störte. Die Anhebung des Rentenalters auf 67 sei nicht genug, 70 müsse es sein. Die Anhebung der Hartz-IV-Gelder nach Jahren schleichender Entwertung durch die Inflation galt ihm hingegen als Konjunkturprogramm für Tabak- und Spirituosenindustrie. Genüsse gleich welcher Art sind weder für Alte noch für Arme vorgesehen, so die Botschaft.

Mißfelder löste Entsetzen und Bewunderung gleichermaßen aus: Dabei formulierte er oft nur spitz, unverblümt und dreist die Quintessenz zeitgeistiger Reformprogamme, die allemal auf Abstriche bei den ärmeren abzielten. Was sogenannte Linke als Anklage vorbringen, das war bei Mißfelder immer Forderung.

Zu einer Karriere im Windschatten des Zeitgeistes passt, dass organisierte Proteste gegen die vorherrschende Politik nicht willkommen waren. „Montagsdemos gegen Hartz IV“, „Proteste zum G8-Gipfel in Heiligendamm“, Mißfelder gab gern und zur Not auch ungebeten den verbalen Noske.

Als neues Spielfeld für derartige Allüren fand sich bald die Außenpolitik. Ob gegen widerborstige Europartner oder unhandliche Drittländer, Mißfelder fand den imperialen Sound, der den Lesern von Bild, Welt und taz so gut gefällt.

Schuldige zu benennen und Opfer zu verschweigen gehörte für ihn zum Tagesgeschäft: „Der Konflikt der Palästinenser gegen Israel darf nicht erneut ausbrechen“.

Mißfelders Tod reißt ein großes Loch, denn neben seiner Abgeordnetentätigkeit war er mit 35 Jahren auch Chef der CDU-Jugendvereinigung, Verlagsangestellter, Koordinator im Auswärten Amt, Mitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung, und Vorstand, Beirat oder Präsidiumsmitglied in rund 20 Lobbyorganisationen.

Einen derart multivalenten Apparatschik für all diese widerlichen Aufgaben wird die Branche nicht sofort wieder finden. Man wird wohl vorerst zwei oder drei davon brauchen, denn grundsätzlich besteht an dem Typus leider kein Mangel.

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Nochmal Personenkult: Egon Krenz wird 75. http://stromsau.blogsport.de/2012/03/19/nochmal-personenkult-egon-krenz-wird-75/ http://stromsau.blogsport.de/2012/03/19/nochmal-personenkult-egon-krenz-wird-75/#comments Mon, 19 Mar 2012 19:51:08 +0000 Stromsau Allgemein http://stromsau.blogsport.de/2012/03/19/nochmal-personenkult-egon-krenz-wird-75/ Egon Krenz, ein in der früher mal heiß diskutierten DDR früher mal sehr wichtiger Kader, wird heute 75 Jahre alt. Ja, es gibt noch Menschen, die sich trauen, das zu feiern. Es gibt auch noch Menschen, die es wichtig finden, dieses und andere Jubiläen hochzuhalten. Es gibt auch Menschen, die genau dies anstößig finden. Dreimal: Warum? Fangen wir bei der letzten Frage an. Seit Egon Krenz Staatsbürger der BRD ist, hat er nie etwas unternommen, das geeignet wäre, den Bestand oder Charakter dieses aktuell einzigen „deutschen“ Staates zu gefährden. Er hat aber verschiedene Äußerungen veröffentlicht, aus denen hervor geht, dass er seine Rolle im nicht mehr existierenden konkurrierenden Staat und System (und dieses) immer noch nicht ausschließlich negativ sieht. Damit ist er unter den Ossis in guter Gesellschaft, aber am politisch erwünschten Tenor unerhört weit vorbei. Soeben wird mit Joachim Gauck ein erzkonservativer Anti-Oppositionsossi widerstrebend, aber mit aller Feier, als neuer Präsident aller Deutschen im Amt bestätigt. DDR-Karrieren, insbesondere „systemnahe“, sind heute erklärungsbedürftig. Erklärung heißt dabei Entschuldigung. Gefragt sind nicht Erfolgsstories von unschlagbar brauchbaren Angeboten ans System, die dankend aufgegriffen wurden. Viel mehr haben sich DDR-Karrieren an den heute (noch und wieder) geltenden Maßstäben zu bewähren. Das maßgebliche mitmischen im System ist zu erklären als Notwendigkeit, teilweise unter Zwang oder unter Erwartung von relevanten Nachteilen als Alternative. Wenn man heute eine systemnahe DDR-Biographie verkauft, dann hat diese am Besten „für Deutschland“ zu sein und mindestens Zerknirschung über die realen Mängel des gleichnamigen Sozialismus vorzubringen. Egon Krenz tut dies nur in ungenügendem Maße. Ist dies ein Grund, ihn abzufeiern? Ich finde: nein. Andererseits sind zahlreiche alternative Kandidaten für diesen Ikonenjob nun mal schon tot oder bei der Linkspartei gelandet. Praktisch ist das beides ein Malus.

Was sind das für Leute, die Egon Krenz‘ Geburtstag feiernswert finden, jenseits seins Bekanntenkreises? Es sind Leute, die im Trotz gefangen sind. Sie mögen an der DDR alle möglichen richtigen und falschen Kritiken haben. Sie mögen in ihr groß oder klein, reich oder eher grade so auskommend (darunter machte es dort keiner), wichtig oder verfemt gewesen sein: Sie empfinden die pauschale heutige Bewertung dieses Staates und ihrer persönlichen Lebensgeschichten als falsch oder zumindest unangemessen. Das bringt sie in Opposition zur offiziell gefragten Moral. So weit, so gut. Was heißt das alles nicht?
Dass ihre Kritik am vergangenen Ost-System korrekt ist
Dass ihre Kritik am aktuell allein gültigen System korrekt ist
Dass das Ost-System dem damaligen West-System oder dem heutigen Zustand allgemein vorzuziehen ist
Dass sie für Kommunismus heute mehr als andere empfänglich wären oder bereit, dafür etwas zu tun.
Dass Egon Krenz per se die richtige Figur für irgendwelche Trotz- oder Hoffnungsprojektionen ist.

Egon Krenz lebt und ich wünsche ihm beste Gesundheit noch lange, fern ab von jeder politischen Kalkulation.
Er hat mir auch nie etwas angetan oder mir persönlich irgendeinen Vorteil gebracht.

Ein Zyniker würde es anders sehen. Schließlich erschwert Egon Krenz‘ Wirken den Blick darauf, wer nur persönlichen Abstieg verarbeitet, wen es blöd erwischt hat, wer falschen und verrückten Idealen nachhängt oder wer in Egon Krenz eine geeignete Ikone sieht, um die Repräsentanten des aktuell gültigen Systems zu blamieren oder zu ärgern. Es ist fast irrelevant für diese Fragen, was Egon Krenz heute tut und sagt. Ein kommender Kommunismus muss ohne Egon Krenz auskommen. Oder Kuba. Oder Teddy Thälmann. Oder Tamara Bunke. Sie geben den falschen Leuten die falschen altbekannten Antworten und sagen der aktuellen Generation im besten Fall gar nichts. Wer heute einen Führerschein hat und wählen darf, war 1990 vielleicht noch nicht einmal geboren. Denkt daran bei eurem nächsten Streit mit alten 68ern, alten Ossis, alten Konservativen oder jungen Konformisten und ärgert euch nicht so sehr über den Knacker, den jetzt alle feiern und der in eurem Leben so wenige Spuren hinterlassen wird, wie Wulff, Rau, Herzog und Scheel es taten, wenn überhaupt. Wenn euch diese Namen nichts sagen – nicht weiter schlimm. Die Regeln machen sowieso andere. Diese hier feiern sie nur.

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Zweimal Personenkult: 김정일 und Václav Havel sterben und glühende Nationalisten weinen http://stromsau.blogsport.de/2011/12/20/zweimal-personenkult-und-vaclav-havel-sterben-und-gluehende-nationalisten-weinen/ http://stromsau.blogsport.de/2011/12/20/zweimal-personenkult-und-vaclav-havel-sterben-und-gluehende-nationalisten-weinen/#comments Tue, 20 Dec 2011 18:18:23 +0000 Stromsau Allgemein http://stromsau.blogsport.de/2011/12/20/zweimal-personenkult-und-vaclav-havel-sterben-und-gluehende-nationalisten-weinen/

Der Tod ist ein gerechter Mann, obs‘d oarm bist oder reich
G’sturbm ist g’strubm, sogt da Wurm, als Leich‘ ist jeder gleich

So sang einst die Erste Allgemeine Verunsicherung – und irrte wie selten. In kurzem Abstand nahm der Schnitter zwei nationale Idole an sich und zeigte, wie viel gleicher doch zwei gleiche sein können, im Vergleich zu denen, die allen gleich sind:

김정일 (bei uns bekannt als Kim Jong-Il) und Václav Havel sind tot. Obwohl die Medien in beiden Fällen die Bilder trauernder Massen auffahren, könnte der Tenor unterschiedlicher nicht sein.
demonstrieren
Mühelos attestiert man im Falle Koreas dem ganzen den Hauch der Inszenierung, entdeckt einen unerträglichen Personenkult und hinterfragt die Echtheit der Trauer. Dieselben Medien wollen davon bei dem ehemaligen Präsidenten der Staaten Tschechoslowakei und Tschechien nichts wissen. Wenn sich Tschechiens oberster Politiker dabei filmen lässt, wie er sich im proppevollen Trauersaal unter den Tränen bewegter Bürger als erster ins Kondolenzbuch einträgt, ist an Echtheit nichts zu zweifeln. Zwar dürften in beiden Fällen die wenigsten Trauernden die Verblichenen persönlich gekannt haben, das macht aber nichts: Hier trauern Nationalisten um Symbole der Nation und was deutsche Medien davon halten, hängt allemal vom Verhältnis der deutschen Regierung zur Regierung dieser fremden Staaten ab. Deshalb ist tschechischer Personenkult keiner und koreanische Tränen sind Show.

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Lebensmittelskandal – ganz kurz abgehandelt http://stromsau.blogsport.de/2011/02/12/lebensmittelskandal-ganz-simpel/ http://stromsau.blogsport.de/2011/02/12/lebensmittelskandal-ganz-simpel/#comments Sat, 12 Feb 2011 09:17:49 +0000 Stromsau Allgemein http://stromsau.blogsport.de/2011/02/12/lebensmittelskandal-ganz-simpel/ Lebensmittelskandale sind immer wieder ein beliebter Aufreger in den Medien. Gammelfleisch, vergiftetes Tierfutter, Unreine Gaststätten, moralisch und vom Produkt her fragwürdige Formen der Tiermast und Abfälle im Döner und Burger. Wer nicht Bio kaufe, sei sowieso schuld und

Da sich zwar die Anlässe die Klinke in die Hand geben, sich in der Sache aber nicht viel ändert, möchte ich hier weniger zur Empörung als zum Verständnis beitragen mit einem etwas älteren Zitat:

In London existieren zweierlei Sorten von Bäckern, die „full priced“, die das Brot zu seinem vollen Werte verkaufen, und die „undersellers“, die es unter diesem Werte verkaufen. Letztere Klasse bildet über 3/4 der Gesamtzahl der Bäcker (p. XXXII im „Report“ des Regierungskommissärs H. S. Tremenheere über die „Grievances complained of by the journeymen bakers etc.“, London 1862). Diese undersellers verkaufen, fast ausnahmslos, Brot, das verfälscht ist durch Beimischung von Alaun, Seife, Perlasche, Kalk, Derbyshire-Steinmehl und ähnlichen angenehmen, nahrhaften und gesunden Ingredienzien. (Sieh das oben zitierte Blaubuch, ebenso den Bericht des „Committee of 1855 on the Adulteration of Bread“ und Dr. Hassalls, „Adulterations Detected“, 2nd. edit., London 1861.) Sir John Gordon erklärte vor dem Komitee von 1855, daß „infolge dieser Fälschungen der Arme, der von zwei Pfund Brot täglich lebt, jetzt nicht den vierten Teil des Nahrungsstoffes wirklich erhält, abgesehn von den schädlichen Wirkungen auf seine Gesundheit“. Als Grund, warum „ein sehr großer Teil der Arbeiterklasse“, obgleich wohl unterrichtet über die Fälschungen, dennoch Alaun, Steinmehl etc. mit in den Kauf nimmt, führt Tremenheere (l.c.p. XLVIII) an, daß es für sie „ein Ding der Notwendigkeit ist, von ihrem Bäcker oder dem chandler’s shop das Brot zu nehmen, wie man es ihnen zu geben beliebt“. Da sie erst Ende der Arbeitswoche bezahlt werden, können sie auch „das während der Woche von ihren Familien verzehrte Brot erst Ende der Woche zahlen“; und, fügt Tremenheere mit Anführung der Zeugenaussagen hinzu: „Es ist notorisch, daß mit solchen Mixturen bereitetes Brot expreß für diese Art Kunden gemacht wird.“ („It is notorious that bread composed of those mixtures, is made expressly for sale in this manner.“) „

Aufgeschrieben hat das Karl Marx, nachlesen kann man es im „Kapital“, Band 1, II. Abschnitt: Die Verwandlung von Geld, Kapitel 4: Verwandlung von Geld in Kapital im Abschnitt 3. Kauf und Verkauf der Arbeitskraft.

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Wenn die Arbeitervorhut weiße Kittel anzieht… http://stromsau.blogsport.de/2010/08/13/wenn-die-arbeitervorhut-weisse-kittel-anzieht/ http://stromsau.blogsport.de/2010/08/13/wenn-die-arbeitervorhut-weisse-kittel-anzieht/#comments Fri, 13 Aug 2010 17:13:58 +0000 Stromsau Allgemein Die Wunderwelt der Technik http://stromsau.blogsport.de/2010/08/13/wenn-die-arbeitervorhut-weisse-kittel-anzieht/ Ende Juli erschien die aktuelle Worker’s Vanguard und der Blogsportler Neoprene hat sie gelesen. Soweit, so alltäglich. Dort wurden ein paar grundlegende Einlassungen zur Schulmedizin und ihrer alternativ-spirituellen Konkurrenz gemacht, die Neoprene „schwierig, schwierig“ fand und seither gibt es just bei ihm eine rege Debatte darum, wie man es zu halten habe mit der Gesundheitsindustrie.

Die Trotzkisten von der Arbeitervorhut haben dazu einen klaren Standpunkt: Schulmedizin ist Wissenschaft und gehört verteidigt gegen Rückfälle in und Rückgriffe auf die Mirakelkiste der Wanderprediger, Glaubensheiler und profanen Betrüger. Der wichtigste Einwand dagegen ist, dass in der Realität die Medizinanstalten den Leuten keineswegs immer die erhoffte Heilung bringen. Das Anliegen der Akteure im modernen Gesundheitswesen ist auch gar nicht unbedingt der Heilungserfolg, sondern das Geldverdienen an der Heilung. In der plattesten Form, die man historisch und anderswo auch heute noch begutachten kann, heißt das: Wer kein Geld hat, kriegt keine Behandlung und wer wenig Geld hat, bekommt eine Spar-Behandlung mit Billig-Methoden, die bisweilen weder dem neuesten Stand von Technik und Wissen, noch den höchsten Maßstäben der Verträglichkeit genügen. Hierzulande ist die große Masse pflichtversichert, was die Debatte aber nicht aus der Welt schafft. Politiker wie etwa Philipp Mißfelder halten „nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“ Mißfelder leitet übrigens mittlerweile den Arbeitskreis „Zusammenhalt der Generationen“ der CDU Deutschlands. Aber auch jenseits solcher prominent gewordener Randfälle rechten Krankenkassen, Politiker, Beitragszahler und Leistungsempfänger darum, welche Maßnahmen medizinisch notwendig, welche angemessen sind und welche zu der Sorte Luxus gehören, die man selber zu blechen hat. Jegliche Sorte Zahnmedizin fällt etwa seit einigen Jahren verstärkt darunter. Überhaupt ist moderne Medizin am Standort BRD und anderswo ein ziemlich ungemütliches, ruppiges und aufreibendes Geschäft, das mit Bergdoktor-Idyll und Praxis-Bülowbogen-Seligkeit wenig zu schaffen hat. Es geht praktisch darum, die Arbeitnehmer mit angemessenem Kostenaufwand in vertretbarer Zeit soweit wieder herzustellen, dass sie als Arbeitnehmer wieder was taugen. Wer dieses aparte Ziel nicht erreicht, wird auf kurzem Wege zum Sozialfall.

Der Krankenhausarzt Dr. Thomas Hartung aus dem ostdeutschen Provinzstädtchen Weimar ist über den ganzen Streß und die vielen faulen Kompromisse zulasten der Patienten ein Linker geworden und kurz darauf per Direktmandat in das Thüringer Landesparlament eingezogen. Weil es ihm dort nicht forsch genug voran ging, hat er sich dann bald von der Partei wieder verabschiedet und gemeinsam mit vermeintlichen Radikalen um die Trotzkistenvereinigung SAV einen eigenen Linksverein aufgemacht, mit dem sich ordentlich wutstampfend protestieren lässt. Weil andererseits aber auch Hartung weiß, dass die Entscheidungen woanders getroffen werden, ist der linke Überflieger Anfang der Woche gleich noch in die SPD-Fraktion eingetreten, die zusammen mit der CDU in Thüringen regiert und dort genau die Krankenhauspolitik „gestaltet“, deretwegen Hartung überhaupt erst in die Verlegenheit kam, sich eine Fraktion aussuchen zu müssen. Darüber kann man schon verzweifeln. Auch bei der Forschung sieht es düster aus: Neue Therapieformen entstehen vorrangig auf den Feldern, auf denen Gewinne winken oder finanzkräftige Sponsoren aus privater Betroffenheit oder Profilierungswunsch zumindest die Entwicklung selbst co-finanzieren.

Die moderne Medizin steht zurecht in zweifelhaftem Ruf. Das ist aber kein Grund, ihr den Rücken zu kehren und beim Handaufleger oder beim Vitaminpapst die Heilung vom Krebs zu erhoffen. Zwar ist es durchaus vorstellbar, dass dieser oder jene traditionelle Tee tatsächlich die Heilung mancher Krankheit beflügelt. Es gilt aber die Wirkmechanismen dahinter zu erkunden und systematisch offenzulegen, statt sich mit dem Wissen um Tradition und Erfahrung den ganzen unwissenschaftlichen Aberglauben mit einzukaufen, der da mitschwingt. Das Etikett „alternative Heilkunde“ fasst alles Mögliche zusammen unter dem Gesichtspunkt, was sie nicht ist: Systematische, wissenschaftlich belegte und nachweislich wirksame Methoden mit rationell untersuchten Seiteneffekten und Nebenwirkungen. In der Szene, die diesem anhängt, hat dann alles seinen gleichberechtigten Platz: Fernöstliche Zufallsfunde, die sich seit Jahrhunderten bewähren neben Omas zufällig tatsächlich wirksamen Waldkräutern und ebenso generationenlang tradierten Irrlehren, bei denen man nur hoffen kann, dass sie wenigstens nicht ernsthaft schädigen.

Besonders interessierte Verbreiter alternativer Heilungskonzepte sind die sogenannten „Truther“ oder Infokrieger. Das nimmt nicht wunder, schließlich passt alternative Heilkunde genau in ihr Weltbild. Genau wie bei allen anderen Themen auch, vermuten sie hinter der modernen Medizin einen bösen Plan von Verschwörern, die nur sie kennen und stellen sich hinter jedes noch so absurde alternative Konzept. Dass die Protagonisten mancher Alternativmodelle in Deutschland aus gutem Grund Praxis- und Vertriebsverbote haben, ist für die Krieger nur ein Grund mehr, zu glauben, dass hier unbequeme, unwillkommene Wahrheiten unterdrückt werden sollen. Man soll allerdings nicht in den Denkfehler der Umkehrung verfallen: Dass etwas bei uns verboten ist oder in schlechtem Ruf steht, ist weder ein Argument für noch gegen seine Wirksamkeit und längst nicht alles, was erlaubt ist, ist auch unbedenklich oder sinnvoll.

So richtig es ist, dass die heutige Medizin vieles nicht weiß und manches auch gar nicht erst erforscht, so trostlos ist bei nüchterner Betrachtung die Alternative. Deshalb gehört diese Medizin ihren heutigen, gesellschaftlich bedingten Schranken entrissen und von all den sachfremden Nebenerwägungen befreit, die heute einer vernünftigen Behandlung von Krankheiten im Wege stehen.

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Ulf Poschardts gähnend langweilige Neiddebatte von oben http://stromsau.blogsport.de/2010/08/06/ulf-poschardts-gaehnend-langweilige-neiddebatte-von-oben/ http://stromsau.blogsport.de/2010/08/06/ulf-poschardts-gaehnend-langweilige-neiddebatte-von-oben/#comments Fri, 06 Aug 2010 12:32:37 +0000 Stromsau Allgemein http://stromsau.blogsport.de/2010/08/06/ulf-poschardts-gaehnend-langweilige-neiddebatte-von-oben/ Ulf Poschardt, Herausgeber von so biederen Fachzeitschriften wie Musikexpress und Metal Hammer, hat mal wieder Lust bekommen, sich auszukotzen und in der WELT-Leserschaft ein dankbares Publikum gefunden. In seinem Kommentar vom 06.08.2010 hat er sich das Thema Neiddebatte vorgenommen. Eine solche sieht er angestachelt, weil Politiker der Oppositionsparteien deutsche Vermögensinhaber zu freiwilliger Spendentätigkeit auffordern wollen. Diese nicht ganz alltägliche Idee kam ihnen wohl, nachdem einige Milliardäre aus Amerika kürzlich unverbindlich erklärten, die Hälfte oder mehr von ihrem Vermögen bis spätestens zu ihrem Ableben spenden zu wollen. Hier setzt Poschardt an mit seiner unermüdlichen, aber auch ungenießbaren Aneinanderreihung tausendmal wiedergekäuter Allgemeinplätzchen, die er sich diesmal im Wesentlichen von Sloterdijk geklaut hat. Im Wesentlichen kürzt sich sein Begehr darauf zusammen, dass die Steuern bitteschön runter müssen und die Sozialausgaben auch, damit Reiche möglichst viel Gelegenheit bekommen, mit ihrem Privatgeld genau die Sorte von Elend und Not zu betreuen, die ihnen persönlich am Lohnendsten erscheint – schließlich wissen die am Besten mit Geld umzugehen.

Poschardt zufolge kümmert sich besser statt einer „Sozialbürokratie [..] ein auf Effizienz und Geschwindigkeit getrimmter Stiftungskopf um die Sozialrendite der Investition.“ Sozialrendite? Das ist je nach persönlichem Geschmack des Spenders ein neues (vermarktbares) Medikament für eine Krankheit, die die letzte Exgattin dahingerafft hat oder auch die Vergabe von Stipendien an vielversprechende, willige Sozialaufsteiger in spe. Meistens decken sich Stipendienprogramm und Bedarf an Nachwuchs in der Industrie des Spenders zu einem hinreichenden Grad, dass man von Altruismus oder Philanthropie nicht sprechen muss. Überhaupt sieht Poschardt die Menschheit, soweit sie ohne Geld ist, eher kritisch. „Schlanken, fast asketischen Milliardären stehen oft genug übergewichtige Vertreter des Prekariats gegenüber“, weiß der selber nicht ganz schlanke Poschardt. Das ist einerseits geklaut beim Rechtspopulisten Thilo Sarrazin, andererseits eine durchaus richtige Beobachtung: Reiche liegen beim aktuellen Fitness- und Wellness-Trend weit vorn, was wohl auch daran liegen mag, dass sie das notwendige Kleingeld einfach haben. Gemeint ist das hier aber anders: Wer in der Hierarchie weit unten landet, der hat sich nicht genug bemüht und lebt ein faules Leben, während Reichtum immer den Tüchtigen und Guten trifft. Folglich gehört für Poschardt die Entscheidung über Wohl und Wehe der Gesellschaft auch nicht in die Pranke eines „aufgeblähten“ Staatsapparates, sondern in die zupackenden Hände der tüchtig-reichen Herrenmenschen. Auf den lässt Poschardt nichts kommen: „In Dankbarkeit nimmt er [der Reiche] das Geschenk der Eigenverantwortung durch einen schwachen Staat an und nutzt als Souverän seine Freiheit zur radikalen Geste der Spende. Er wird seiner Verantwortung gerecht. “ Kritik an den Oberen hält er für die missgünstige Sabotage linker Professoren, die einer „egalitären bundesrepublikanischen Wärmestube“ mit einem „steuerstaatlichen Semi-Sozialismus“ das Wort reden. Das ist natürlich alles dummes Zeug und man darf darüber nicht vergessen, dass Deutschlands Wirtschaft in schöner Regelmäßigkeit neue Superreiche einerseits und fortschreitende Degradierung der Massen zu jederzeit abrufbaren, kostengünstigen Arbeitskraft-Automaten andererseits produziert. Dass das noch nicht weit genug geht, zeigt sich in dem Artikel einerseits anhand einer zitierten DIW-Studie, laut der Superreiche von ihren gezahlten Steuern kaum etwas hätten und Mittelständler weniger Steuer zahlten als sie an Staatsleistungen einsammelten und andererseits an der Klage „dass ein derart großer Teil des Einkommens in dem üppigen Sozialetat verschwindet, dass einigen Millionären die Lust am Spenden vergeht“.

Wer indes wirklich nach einem besseren Leben strebt, der sollte auf die Spendelust der Reichen ebensowenig schielen wie auf die Errungenschaften des Sozialstaates oder die vielen absurden Sonderwege, auf denen eine kleine Schar es durch Zufälle immer wieder schafft, selbst vom Mittellosen zum Inhaber stattlicher Kapitale zu werden. Bei Karl Marx steht aufgeschrieben, wo der Reichtum herkommt und wie er mit der Armut der Mehrheit zusammenhängt. Wer auf anbetungswürdige Selfmade-Almosengeber und die scharf kalkulierten Angebote des Steuerstaates nichts gibt, der sollte viele Gleichgesinnte um sich scharen und was anderes probieren durchzusetzen. Mag dabei auch manches schiefgehen, wenn damit wenigstens die Sloterdijks und Poschardts dieses Landes verstummen, dann kann man hinterher sagen: War ja nicht alles schlecht…

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Ofenschlot zur neuen Marx-Lektüre http://stromsau.blogsport.de/2010/08/03/ofenschlot-zur-neuen-marx-lektuere/ http://stromsau.blogsport.de/2010/08/03/ofenschlot-zur-neuen-marx-lektuere/#comments Tue, 03 Aug 2010 22:24:49 +0000 Stromsau Allgemein http://stromsau.blogsport.de/2010/08/03/ofenschlot-zur-neuen-marx-lektuere/ Ausgehend von einem Beitrag in der konservativen Frankfurter Allgemeinen Zeitung kommentiert der Blogger Ofenschlot sehr lesenswert die Reduktion Marx‘ zum Urheber einer reinen Methode oder Masche des Rechtfertigungs-Denkens hierzulande, vor allem aber auch in China. Dort arbeitet man nicht nur an einer neuen Marx-Engels-Übersetzung, sondern auch an einer neuen weltweit zu publizierenden Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA). Wie sehr man mit einem falschen Verständnis der Werke Marxens gleichzeitig DKP-Kommunist und China-Apologet sein kann, lässt sich gut an dem Wirken Professor Eike Kopfs nachvollziehen. Der ist im Hauptberuf seit einigen Jahren im chinesischen MEGA-Projekt involviert. Wenn er daneben Zeit hat, tourt er allerdings durch Deutschland und wirbt für den besonders schlauen chinesischen Weg, den Kapitalismus zu überwinden, indem man unter besonderer Berücksichtigung der Erkenntnisse im „Kapital“ Kapitalismus schonungslos und erfolgreich betreibt und damit die nur normalen Kapitalisten ohne Marx-Bonus reihenweise aus dem Feld zu schlagen gewillt ist. Wie sehr dieser schräge Marxismus die Arbeiter zu bloßen Werkzeugen und Erfüllungshelfern des ehrgeizigen Staatsprogrammes degradiert und den Kommunismus damit vollkommen seines Zweckes entleert, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes Wesen ist“, scheint Prof. Kopf entweder nicht aufzufallen oder – was näher liegt – vollkommen einzuleuchten als geniale Methode des Zurechtkommens „des Sozialismus“ in einer feindlichen Welt. Marxismus ist hier wirklich nur noch eine gelehrsame Art, sich sein pragmatisches Einhausen im Vorgefundenen zu rechtfertigen und zum – leider – notwendigen Schritt in Richtung des Kommunismus zu erklären, der dann irgendwann vielleicht ansteht, aber jedenfalls jetzt nicht. Einerseits hat also Professor Kopf Anteil an der Verfügbarmachung möglichst vieler Marxscher Schriften, die damit studierbar, nachprüfbar und auch kritisierbar werden, damit immer weniger Leuten ein begriffsloses spruchweises Zitieren durchgehen mag. Andererseits kann er viel Schaden anrichten als Verbreiter einer Interpretation ebendieser Werke, die schon der Rechtfertigung jeden Blödsinns in der Sowjetunion und jedes tagespolitischen Schwenks in der DDR große Dienste erwies und mühelos auf das moderne China übertragbar ist. Was am Ende überwiegt, ist wohl vor allem eine Sache des wachen Verstands der Rezipienten.

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Die erste Hackerin http://stromsau.blogsport.de/2010/08/03/die-erste-hackerin/ http://stromsau.blogsport.de/2010/08/03/die-erste-hackerin/#comments Tue, 03 Aug 2010 07:23:58 +0000 Stromsau Die Wunderwelt der Technik http://stromsau.blogsport.de/2010/08/03/die-erste-hackerin/ „Eva hat das Paradies gejailbreakt. Natürlich mit einem Apple“.

(am Flughafen aufgeschnappt)

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Kubanisches Parlament verhindert spätrömische Dekadenz http://stromsau.blogsport.de/2010/08/02/kubanisches-parlament-verhindert-spaetroemische-dekadenz/ http://stromsau.blogsport.de/2010/08/02/kubanisches-parlament-verhindert-spaetroemische-dekadenz/#comments Mon, 02 Aug 2010 20:30:58 +0000 Stromsau Allgemein http://stromsau.blogsport.de/2010/08/02/kubanisches-parlament-verhindert-spaetroemische-dekadenz/ Die Lehren des geliebten Führers der deutschen Wachstumspartei, Guido Westerwelle, haben in Kubas aktueller Regierung offenbar eine treue Anhängerschaft gefunden. Blieb es bei einem missbilligenden Rauschen im eigenen Land, als der Prophet die Gefahren leistungslosen Einkommens thematisierte, so zogen die Führungseliten der sonst notorisch rückständigen und lernresistenten Karibik-Kommunisten inzwischen praktische Konsequenzen aus den weisen Worten des
großen Politökonomen Westerwelle
Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet. [..] Diese Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Leistungsgedanken besorgt mich zutiefst.[..] Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.
An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern. In vielen aufstrebenden Gesellschaften andernorts auf der Welt wird hart gearbeitet, damit die Kinder es einmal besser haben.

Andernorts auf der Welt hält Kubas Führung vom harten Arbeiten so viel, dass es künftig zumindest im kleinen Rahmen auch auf eigene Rechnung, also unabhängig von gewerkschaftlichen Tarifvorstellungen, praktizierbar sein soll. Der Nachfrage nach dieser lateinamerikanischen Adaption der Ich-AG hilft ein umfangreiches Personalabbauprogramm in Verwaltung und öffentlichen Diensten auf die Sprünge. In der sachlich-verständnisvollen Berichtssprache des Neuen Deutschland vom 03.08.2010 klingt das so:

Bis zum ersten Quartal kommenden Jahres werde die Zahl staatlich Beschäftigter in erheblichem Ausmaß reduziert, verkündete Staats- und Regierungschef Raúl Castro in seiner Rede zum Abschluss der fünften Parlamentssitzung am Sonntagabend. Kurz zuvor hatte die Nationalversammlung Regierungsplänen zugestimmt, wonach Kleinbetriebe wieder zugelassen werden.[..]
In Übereinstimmung mit Gewerkschaften und politischen Organisationen habe der Ministerrat Mitte Juli zudem vereinbart, „Arbeit auf eigene Rechnung“ – also Kleinunternehmen – zuzulassen. So solle den ehemaligen Staatsbediensteten eine Alternative geboten werden, sagte Raúl Castro, der die Maßnahmen ausführlich begründete.

Raul Castro sieht längst ein:

Man muss ein für alle Mal mit der Vorstellung aufräumen, dass Kuba das einzige Land auf der Welt ist, in dem man leben kann, ohne zu arbeiten.

und hält nichts von „paternalistischen Denkansätzen, die von der Pflicht abhalten, für den Lebensunterhalt zu arbeiten“. Diese Erkenntnis findet ihre Parallelen in Gedanken des heiligen Paulus, aber auch anderer großer Geister wie Lenin, Westerwelle und Bebel, deren gemeinsamer Kern sich um Zusammenhänge von nicht so viel arbeiten und nicht so viel essen dreht. Der Hunger ist allmächtig, wenn er wahr ist, lautet das Credo. Mittlerweile auch auf Kuba.

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Zitat der Woche 30/2010 (nein, nicht schon wieder Silone) http://stromsau.blogsport.de/2010/07/30/zitat-der-woche-302010-nein-nicht-schon-wieder-silone/ http://stromsau.blogsport.de/2010/07/30/zitat-der-woche-302010-nein-nicht-schon-wieder-silone/#comments Fri, 30 Jul 2010 12:37:44 +0000 Stromsau Allgemein http://stromsau.blogsport.de/2010/07/30/zitat-der-woche-302010-nein-nicht-schon-wieder-silone/ http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1362038/In-Berlin-fehlen-flexible-Betreuungsmodelle.html

Morgenpost Online: Viele Alleinerziehende fühlen sich deshalb stigmatisiert.

Küppers: Meine Erfahrung ist, dass diese Gruppe immer noch als bedürftig dargestellt wird, obwohl sie strukturell benachteiligt ist. Wenn man solche Benachteiligungen aufheben würde, brauchte es auch nicht so viele Hilfsangebote.

Richtig: Die vielen Hilfsangebote braucht es, damit die Alleinerziehenden Erwerbstätigen ihre besonders schwere Situation irgendwie in den Griff kriegen. Dass Arbeitsdauer und Arbeitslohn auf ein Kind zuhause genauso wenig zugeschnitten sind wie auf alle anderen privaten Handicaps des einzelnen Lohnarbeiters, wird von keinem Politiker dieser Gesellschaft in Frage gestellt. Nur, wenn großflächig die Dinge aus dem Ruder laufen, denken die darüber nach, wie man mit „Hilfsangeboten“ oder neuen Kompensationsmodellen für vorübergehendes Wenigerarbeiten – natürlich mit einhergehenden Lohneinbußen – die erwünschten Ergebnisse zustandebringt. Immer vorausgesetzt, dass die Kosten im Rahmen bleiben, versteht sich.

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