Archiv für Dezember 2011

Zweimal Personenkult: 김정일 und Václav Havel sterben und glühende Nationalisten weinen

Der Tod ist ein gerechter Mann, obs‘d oarm bist oder reich
G’sturbm ist g’strubm, sogt da Wurm, als Leich‘ ist jeder gleich

So sang einst die Erste Allgemeine Verunsicherung – und irrte wie selten. In kurzem Abstand nahm der Schnitter zwei nationale Idole an sich und zeigte, wie viel gleicher doch zwei gleiche sein können, im Vergleich zu denen, die allen gleich sind:

김정일 (bei uns bekannt als Kim Jong-Il) und Václav Havel sind tot. Obwohl die Medien in beiden Fällen die Bilder trauernder Massen auffahren, könnte der Tenor unterschiedlicher nicht sein.
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Mühelos attestiert man im Falle Koreas dem ganzen den Hauch der Inszenierung, entdeckt einen unerträglichen Personenkult und hinterfragt die Echtheit der Trauer. Dieselben Medien wollen davon bei dem ehemaligen Präsidenten der Staaten Tschechoslowakei und Tschechien nichts wissen. Wenn sich Tschechiens oberster Politiker dabei filmen lässt, wie er sich im proppevollen Trauersaal unter den Tränen bewegter Bürger als erster ins Kondolenzbuch einträgt, ist an Echtheit nichts zu zweifeln. Zwar dürften in beiden Fällen die wenigsten Trauernden die Verblichenen persönlich gekannt haben, das macht aber nichts: Hier trauern Nationalisten um Symbole der Nation und was deutsche Medien davon halten, hängt allemal vom Verhältnis der deutschen Regierung zur Regierung dieser fremden Staaten ab. Deshalb ist tschechischer Personenkult keiner und koreanische Tränen sind Show.