Kubanisches Parlament verhindert spätrömische Dekadenz

Die Lehren des geliebten Führers der deutschen Wachstumspartei, Guido Westerwelle, haben in Kubas aktueller Regierung offenbar eine treue Anhängerschaft gefunden. Blieb es bei einem missbilligenden Rauschen im eigenen Land, als der Prophet die Gefahren leistungslosen Einkommens thematisierte, so zogen die Führungseliten der sonst notorisch rückständigen und lernresistenten Karibik-Kommunisten inzwischen praktische Konsequenzen aus den weisen Worten des
großen Politökonomen Westerwelle

Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet. [..] Diese Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Leistungsgedanken besorgt mich zutiefst.[..] Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.
An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern. In vielen aufstrebenden Gesellschaften andernorts auf der Welt wird hart gearbeitet, damit die Kinder es einmal besser haben.

Andernorts auf der Welt hält Kubas Führung vom harten Arbeiten so viel, dass es künftig zumindest im kleinen Rahmen auch auf eigene Rechnung, also unabhängig von gewerkschaftlichen Tarifvorstellungen, praktizierbar sein soll. Der Nachfrage nach dieser lateinamerikanischen Adaption der Ich-AG hilft ein umfangreiches Personalabbauprogramm in Verwaltung und öffentlichen Diensten auf die Sprünge. In der sachlich-verständnisvollen Berichtssprache des Neuen Deutschland vom 03.08.2010 klingt das so:

Bis zum ersten Quartal kommenden Jahres werde die Zahl staatlich Beschäftigter in erheblichem Ausmaß reduziert, verkündete Staats- und Regierungschef Raúl Castro in seiner Rede zum Abschluss der fünften Parlamentssitzung am Sonntagabend. Kurz zuvor hatte die Nationalversammlung Regierungsplänen zugestimmt, wonach Kleinbetriebe wieder zugelassen werden.[..]
In Übereinstimmung mit Gewerkschaften und politischen Organisationen habe der Ministerrat Mitte Juli zudem vereinbart, „Arbeit auf eigene Rechnung“ – also Kleinunternehmen – zuzulassen. So solle den ehemaligen Staatsbediensteten eine Alternative geboten werden, sagte Raúl Castro, der die Maßnahmen ausführlich begründete.

Raul Castro sieht längst ein:

Man muss ein für alle Mal mit der Vorstellung aufräumen, dass Kuba das einzige Land auf der Welt ist, in dem man leben kann, ohne zu arbeiten.

und hält nichts von „paternalistischen Denkansätzen, die von der Pflicht abhalten, für den Lebensunterhalt zu arbeiten“. Diese Erkenntnis findet ihre Parallelen in Gedanken des heiligen Paulus, aber auch anderer großer Geister wie Lenin, Westerwelle und Bebel, deren gemeinsamer Kern sich um Zusammenhänge von nicht so viel arbeiten und nicht so viel essen dreht. Der Hunger ist allmächtig, wenn er wahr ist, lautet das Credo. Mittlerweile auch auf Kuba.