KZ-Website auf Holocaust-Leugner umgeleitet.

Unbekannte Hacker haben haben die Website der KZ-Gedenkstätte Buchenwald auf eine Holocaustleugner-Website umgeleitet. Aus naheliegenden Gründen möchte ich das Geschehen nicht noch durch einen sensationsheischenden Link bewerben. Interessant ist, dass laut Spiegel Online das zuständige Innenministerium des betroffenen Ost-Bundeslandes Thüringen sofort verkündete, der Angriff müsse von außerhalb Thüringens erfolgt sein, weil Thüringer Neonazis das gar nicht könnten. Offenbar pflegt das Innenministerium sehr enge Kontakte zur braunen Szene – anders lässt sich eine derart intime Kenntnis kaum erklären. Oder läuft hier das im Osten so beliebte Verdrängungsspiel, bei dem jeder behauptet, Nazismus sei gerade „hier“ nicht heimisch und könne nur von Fremden, von außen, allenfalls von Zugereisten herrühren?
Auch Riesa, die Heimat des NPD-Verlages „Deutsche Stimme“, wollte jahrelang rechtsextreme Probleme nicht wahrhaben, bis dieses Jahr der späte Befreiungsschlag erfolgte. Der Stadtrat beschloss – immerhin mit Wohlwollen von CDU-Frakion und -Bürgermeisterin – die Umbenennung der Mannheimer Straße, in der die NPD-Zeitung ihren Sitz hat, in Geschwister-Scholl-Straße. Hans und Sophie Scholl waren Mitglieder der idealistischen NS-Widerstandsbewegung „die weiße Rose“ und wurden nach einer Denunziation innerhalb weniger Tage verurteilt und enthauptet. Obwohl deren NS-Kritik durchaus kritikable Aspekte hat, will ich mich an dieser Stelle darauf beschränken, mich zu freuen, dass die Sachsen offenbar endlich auf den NS-Spuk reagieren und hoffen, dass auch Thüringens Behörden und Öffentlichkeit nicht länger leugnen, verdrängen und verklären, wenn es um braune Umtriebe vor der eigenen Haustür geht. Den Bock schießt allerdings die „Öffentlichkeit“ in Mecklenburg-Vorpommern ab, wo nicht nur die NPD im Landtag sitzt, sondern auch unter dem Beifall der Leserbriefspalte das Onlinemagazin MVRegio am selben Tag die Watchblogs Endstation Rechts und NPD-Blog mit Schmähungen der übelsten Sorte überzieht. Dass so etwas bei der Leserschaft ankommt, ist kein gutes Zeichen für die Region und lässt sich vermutlich auch auf den Rest Dunkeldeutschlands übertragen.