Zweimal Personenkult: 김정일 und Václav Havel sterben und glühende Nationalisten weinen

Der Tod ist ein gerechter Mann, obs‘d oarm bist oder reich
G’sturbm ist g’strubm, sogt da Wurm, als Leich‘ ist jeder gleich

So sang einst die Erste Allgemeine Verunsicherung – und irrte wie selten. In kurzem Abstand nahm der Schnitter zwei nationale Idole an sich und zeigte, wie viel gleicher doch zwei gleiche sein können, im Vergleich zu denen, die allen gleich sind:

김정일 (bei uns bekannt als Kim Jong-Il) und Václav Havel sind tot. Obwohl die Medien in beiden Fällen die Bilder trauernder Massen auffahren, könnte der Tenor unterschiedlicher nicht sein.
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Mühelos attestiert man im Falle Koreas dem ganzen den Hauch der Inszenierung, entdeckt einen unerträglichen Personenkult und hinterfragt die Echtheit der Trauer. Dieselben Medien wollen davon bei dem ehemaligen Präsidenten der Staaten Tschechoslowakei und Tschechien nichts wissen. Wenn sich Tschechiens oberster Politiker dabei filmen lässt, wie er sich im proppevollen Trauersaal unter den Tränen bewegter Bürger als erster ins Kondolenzbuch einträgt, ist an Echtheit nichts zu zweifeln. Zwar dürften in beiden Fällen die wenigsten Trauernden die Verblichenen persönlich gekannt haben, das macht aber nichts: Hier trauern Nationalisten um Symbole der Nation und was deutsche Medien davon halten, hängt allemal vom Verhältnis der deutschen Regierung zur Regierung dieser fremden Staaten ab. Deshalb ist tschechischer Personenkult keiner und koreanische Tränen sind Show.

Lebensmittelskandal – ganz kurz abgehandelt

Lebensmittelskandale sind immer wieder ein beliebter Aufreger in den Medien. Gammelfleisch, vergiftetes Tierfutter, Unreine Gaststätten, moralisch und vom Produkt her fragwürdige Formen der Tiermast und Abfälle im Döner und Burger. Wer nicht Bio kaufe, sei sowieso schuld und

Da sich zwar die Anlässe die Klinke in die Hand geben, sich in der Sache aber nicht viel ändert, möchte ich hier weniger zur Empörung als zum Verständnis beitragen mit einem etwas älteren Zitat:

In London existieren zweierlei Sorten von Bäckern, die „full priced“, die das Brot zu seinem vollen Werte verkaufen, und die „undersellers“, die es unter diesem Werte verkaufen. Letztere Klasse bildet über 3/4 der Gesamtzahl der Bäcker (p. XXXII im „Report“ des Regierungskommissärs H. S. Tremenheere über die „Grievances complained of by the journeymen bakers etc.“, London 1862). Diese undersellers verkaufen, fast ausnahmslos, Brot, das verfälscht ist durch Beimischung von Alaun, Seife, Perlasche, Kalk, Derbyshire-Steinmehl und ähnlichen angenehmen, nahrhaften und gesunden Ingredienzien. (Sieh das oben zitierte Blaubuch, ebenso den Bericht des „Committee of 1855 on the Adulteration of Bread“ und Dr. Hassalls, „Adulterations Detected“, 2nd. edit., London 1861.) Sir John Gordon erklärte vor dem Komitee von 1855, daß „infolge dieser Fälschungen der Arme, der von zwei Pfund Brot täglich lebt, jetzt nicht den vierten Teil des Nahrungsstoffes wirklich erhält, abgesehn von den schädlichen Wirkungen auf seine Gesundheit“. Als Grund, warum „ein sehr großer Teil der Arbeiterklasse“, obgleich wohl unterrichtet über die Fälschungen, dennoch Alaun, Steinmehl etc. mit in den Kauf nimmt, führt Tremenheere (l.c.p. XLVIII) an, daß es für sie „ein Ding der Notwendigkeit ist, von ihrem Bäcker oder dem chandler’s shop das Brot zu nehmen, wie man es ihnen zu geben beliebt“. Da sie erst Ende der Arbeitswoche bezahlt werden, können sie auch „das während der Woche von ihren Familien verzehrte Brot erst Ende der Woche zahlen“; und, fügt Tremenheere mit Anführung der Zeugenaussagen hinzu: „Es ist notorisch, daß mit solchen Mixturen bereitetes Brot expreß für diese Art Kunden gemacht wird.“ („It is notorious that bread composed of those mixtures, is made expressly for sale in this manner.“) „

Aufgeschrieben hat das Karl Marx, nachlesen kann man es im „Kapital“, Band 1, II. Abschnitt: Die Verwandlung von Geld, Kapitel 4: Verwandlung von Geld in Kapital im Abschnitt 3. Kauf und Verkauf der Arbeitskraft.

Wenn die Arbeitervorhut weiße Kittel anzieht…

Ende Juli erschien die aktuelle Worker’s Vanguard und der Blogsportler Neoprene hat sie gelesen. Soweit, so alltäglich. Dort wurden ein paar grundlegende Einlassungen zur Schulmedizin und ihrer alternativ-spirituellen Konkurrenz gemacht, die Neoprene „schwierig, schwierig“ fand und seither gibt es just bei ihm eine rege Debatte darum, wie man es zu halten habe mit der Gesundheitsindustrie.

Die Trotzkisten von der Arbeitervorhut haben dazu einen klaren Standpunkt: Schulmedizin ist Wissenschaft und gehört verteidigt gegen Rückfälle in und Rückgriffe auf die Mirakelkiste der Wanderprediger, Glaubensheiler und profanen Betrüger. Der wichtigste Einwand dagegen ist, dass in der Realität die Medizinanstalten den Leuten keineswegs immer die erhoffte Heilung bringen. Das Anliegen der Akteure im modernen Gesundheitswesen ist auch gar nicht unbedingt der Heilungserfolg, sondern das Geldverdienen an der Heilung. In der plattesten Form, die man historisch und anderswo auch heute noch begutachten kann, heißt das: Wer kein Geld hat, kriegt keine Behandlung und wer wenig Geld hat, bekommt eine Spar-Behandlung mit Billig-Methoden, die bisweilen weder dem neuesten Stand von Technik und Wissen, noch den höchsten Maßstäben der Verträglichkeit genügen. Hierzulande ist die große Masse pflichtversichert, was die Debatte aber nicht aus der Welt schafft. Politiker wie etwa Philipp Mißfelder halten „nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“ Mißfelder leitet übrigens mittlerweile den Arbeitskreis „Zusammenhalt der Generationen“ der CDU Deutschlands. (mehr…)

Ulf Poschardts gähnend langweilige Neiddebatte von oben

Ulf Poschardt, Herausgeber von so biederen Fachzeitschriften wie Musikexpress und Metal Hammer, hat mal wieder Lust bekommen, sich auszukotzen und in der WELT-Leserschaft ein dankbares Publikum gefunden. In seinem Kommentar vom 06.08.2010 hat er sich das Thema Neiddebatte vorgenommen. Eine solche sieht er angestachelt, weil Politiker der Oppositionsparteien deutsche Vermögensinhaber zu freiwilliger Spendentätigkeit auffordern wollen. Diese nicht ganz alltägliche Idee kam ihnen wohl, nachdem einige Milliardäre aus Amerika kürzlich unverbindlich erklärten, die Hälfte oder mehr von ihrem Vermögen bis spätestens zu ihrem Ableben spenden zu wollen. Hier setzt Poschardt an mit seiner unermüdlichen, aber auch ungenießbaren Aneinanderreihung tausendmal wiedergekäuter Allgemeinplätzchen, die er sich diesmal im Wesentlichen von Sloterdijk geklaut hat. Im Wesentlichen kürzt sich sein Begehr darauf zusammen, dass die Steuern bitteschön runter müssen und die Sozialausgaben auch, damit Reiche möglichst viel Gelegenheit bekommen, mit ihrem Privatgeld genau die Sorte von Elend und Not zu betreuen, die ihnen persönlich am Lohnendsten erscheint – schließlich wissen die am Besten mit Geld umzugehen.
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Ofenschlot zur neuen Marx-Lektüre

Ausgehend von einem Beitrag in der konservativen Frankfurter Allgemeinen Zeitung kommentiert der Blogger Ofenschlot sehr lesenswert die Reduktion Marx‘ zum Urheber einer reinen Methode oder Masche des Rechtfertigungs-Denkens hierzulande, vor allem aber auch in China. Dort arbeitet man nicht nur an einer neuen Marx-Engels-Übersetzung, sondern auch an einer neuen weltweit zu publizierenden Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA). Wie sehr man mit einem falschen Verständnis der Werke Marxens gleichzeitig DKP-Kommunist und China-Apologet sein kann, lässt sich gut an dem Wirken Professor Eike Kopfs nachvollziehen. Der ist im Hauptberuf seit einigen Jahren im chinesischen MEGA-Projekt involviert (mehr…)



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